Gossensass in der Gemeinde Brenner

Fährt man, wie auch immer über den Brennerpass Richtung Süden, löst der Name „Brenner“ keine positiven Assoziationen aus. Frau, Mann oder Kind ist froh, diesen „hässlichen“ Verkehrsknotenpunkt möglichst schnell hinter sich lassen zu können. Möglichst nicht nach links oder nach rechts sehen, sondern Augen zu und durch und
dann „ab in den Süden“!

Dies ist wohl auch der Grund, warum viele nicht wissen, dass es auch die Südtiroler Gemeinde namens Brenner gibt und wenn doch, dies kaum von Interesse ist.

Gossensass (Colle Isarco auf Italienisch) gehört zur Südtiroler Bezirksgemeinschaft Wipptal und ist der Hauptort dieser Gemeinde Brenner. Es liegt auch nicht weit hinter dem „Brenner“, dem wichtigen und bekannten Grenzpass. Den Titel: „Nördlichste Ferienregion Italiens“ trägt Gossensass und seine unmittelbare Umgebung nicht ohne Grund. Es lohnt sich also, nicht schnellstmöglich Richtung Süden weiter zu rauschen, sondern die Ausfahrt von der Brennerautobahn nach Gossensass zu nehmen. Dieser Ort ist nicht nur an sich sehenswert, sondern hat auch eine bewegte Geschichte erlebt. Doch Vorsicht, wer Gossensass das erste Mal besuchen will, läuft Gefahr, gleich mal an der Ausfahrt vorbei zu fahren!

Der Ort und seine Sehenswürdigkeiten

Die Wissenschaftler streiten sich über den Ursprung des Ortsnamens. Gossensass als „Gotensitz“, so die einen. Gossensas abgeleitet aus den Wörtern „Gotzen“ (Knappen) und „Sass“ (Sitz) so die anderen. Mit anderen Worten: Man kann es sich aussuchen.

Die barocke Pfarrkirche ist die Perle des Ortes. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts fertiggestellt. Vorher stand dort die Kirche zum Hl. Georg. Nur das Portal und der Turm der alten Kirche sind noch heute erhalten, ansonsten wurde die Pfarrkirche neu erbaut. Der Erbauer war der Architekt und Priester Franz Paula Penz. Er hatte, zur Belustigung vieler, ausschließlich weibliche Angestellte, die „Penzerinnen“ genannt wurden. Bekannt wurde der Architekt vor allem durch seine Tätigkeit als Bauleiter für eine bestimmte Zeit zur Barockisierung des Doms zu Brixen. Im Inneren der Kirche ist ein besonderer Schatz der Kunstgeschichte zu finden – die Deckengemälde sind das Werk des bedeutenden bayrischen Malers Matthäus Günther. Kaum zu glauben, aber in dem kleinen Ort befindet sich einer der gelungensten Werke des begnadeten Künstlers.

Gleich neben der Pfarrkirche befindet sich eine kleine Kapelle, die Barbarakapelle aus dem Jahre 1510. Barbara nannten die Bergleute ihre Schutzpatronin. Nachdem die Gossensasser und die nähere Umgebung durch den Bergbau zu großem Reichtum kamen, ließen die Bergleute (Knappen) zu Ehren ihrer Schutzpatronin eine Kapelle erbauen. Jedoch schon Ende des 16. Jahrhunderts endete die Zeit des Wohlstandes, nachdem die Bodenschätze aufgebraucht waren.

Aus dieser Zeit sind auch einige Knappenhäuer in Gossensass zu sehen.

Die Geschichte

Gossensass und auch alle anderen Orte, die direkt an bedeutenden Verkehrswegen liegen, kennen die Geschichte mit den zwei Seiten einer Medaille.

Gossensass hatte einerseits schon immer von der direkten Lage am Brennerpass profitiert. Aber der Blick vom Umland auf Gossensass sowie von Gossensass auf das Umland ist immer auch ein Blick auf die gewaltige Infrastruktur der Brennerstraße von Norden nach Süden und umgekehrt. Dies lockt andererseits nicht unbedingt den anspruchsvollen Touristen an diesen Ort.

Neben der direkten Lage an einer der bedeutendsten Verkehrsverbindung Europas, wurde Gossensass und sein Umland besonders durch den Fund von Bodenschätzen im frühen 15. Jahrhundert geprägt. Es brachte Gossensass großen Wohlstand, bis der Großteil des Silber- und Eisenerzes im ausgehenden 16. Jahrhundert abgebaut war. Und damit ging auch der große Reichtum.

Einige Jahrhunderte lang wurde es still um Gossensass. Dann, Anfang des 19. Jahrhundets, sorgte eine neue Entdeckung für einen Aufschwung. Ganz in der Nähe von Gossensass wurden warme Thermalquellen gefunden, die dann Zachariasquellen genannt wurden. Der Nobeltourismus und seinen Begleiterscheinungen hielten auch in Gossensass Einzug. So wurden Nobelhotels gebaut, um auch von diesem spektakulärem Fund profitieren zu können. Immerhin schaffte es Gossensass wie die bekannte Kurstadt Meran, zu einem bedeutenden Kurort zu werden. Gossensass fand sogar die Aufmerksamkeit des bekanntesten österreichischen Kaisers, des Kaisers Franz Josef I. Dieser erhob Gossensass zur Marktgemeinde. Doch im Gegensatz zu Meran verlor Gossensass seinen Bekanntheitsgrad als Kurort sehr schnell wieder.

Es kam der Erste Weltkrieg, die schmerzhafte Teilung Tirols, der Faschismus, der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit. Aber Gossensass konnte in Sachen Tourismus nicht mehr an die glorreichen Tage vor dem Ersten Weltkrieg anknüpfen. Jedoch sind vor allem im letzten Jahrzehnt viele Bemühungen unternommen wurden, um die Region „tourismusfähig“ zu machen. Inzwischen sind sie zumindest wieder eine Ferienregion und  bezeichnen sie sich auch selbst als die nördlichste Ferienregion Italiens. Über einen Bau von Felsenthermen wird schon seit Jahren gesprochen.

Gossensass heute – die nördlichste Ferienregion Italiens

Sicher ist es seine direkte Lage am Brenner, die es dem Ort und seiner näheren Umgebung schwer machen, bei den Gästen aus nah und fern zu punkten. Doch wie bei allem anderen auch, kommt es auf den Fokus an. Richtet man seinen Blick weg, von Gossensass „verkehrsgünstiger“ Lage, kann man Gossensass auch als Urlaubsziel in die engere Auswahl nehmen.

Gossensass ist der geeignete Ort für Sportliebhaber. Wandern, Klettern, Rafting, Mountainbiken, Paragliden im Sommer und im Winter lockt das nahegelegene Skigebiet Ladurns oder das Pflerschtal. Der Hochseilgarten in Ladurns erfreut sich auch an zahlreichen Besuchern.

Klein aber fein: Gossensass hat eine Geschichte und deshalb auch vor Ort Kultur zu bieten. Neben Kirche, Kapelle und Knappenhäusern ist im Gemeindesaal von Gossensass noch das Ibsenmuseum beheimatet. Henrik Ibsen war ein norwegischer Dichter.

Die nahegelegene Stadt Sterzing, als Hauptort des Wipptales, mit einer wunderschönen Altstadt, die Burg Reifenstein und Schloss Sprechenstein und das Schloss Wolfsturn mit dem Landesmuseum für Jagd und Fischerei in Ratschings sorgen für noch mehr Kultur.

Aber natürlich bleibt wie überall in Südtirol das Erlebnis der wunderschönen Natur und der Bergwelt einzigartig.

Quellen:
www.wissen.de; Südtirol für Insinder (Oswald Stimpfl)

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